Erinnerungen an eine schräge Zeit auf zwei Rädern - David und die gelbe RD 250

   

Wenn man mit den richtigen Leuten fährt, erlebt man ja Sachen, die sieht man nicht mal im Kino.
Da war z.B. der David...
Als Kumpel von einem Freund aus unserem kleinen Rudel, kam er irgendwann einmal mit zu einer Tour.
Unterwegs auf seiner gelben RD 250, war es zuerst mal kein Problem für ihn, mit den ganzen 600ern, 900ern und 1000ern mitzuhalten. Also jedenfalls was die Beschleunigung auf Strecken mit Tempolimit betraf.
Ich wurde erst stutzig, als bei einer Raucherpause ein Kumpel meinte, er sollte mal den Ball flach halten wenn er schon ohne Fläppen fährt!

"Bitte wie?" war meine erste Frage. "Du hast gar keinen Lappen?"
David grinste nur und meinte, den hätte er tatsächlich nicht! Na gut.
Im Gegensatz zu vielen Autofahrern die zwar nicht fahren können, mit dem Lappen in der Tasche aber trotzdem fahren dürfen, konnte er verdammt gut fahren, ohne je einen Führerschein gemacht zu haben.

Allerdings muss ihm das zu Kopf gestiegen sein...

Das erste böse Omen war ein
Kolbenklemmer/fresser, den er noch so rechtzeitig erkannte, dass er die Kupplung zog und sofort den Motor abstellte.
Trotzdem verschwand er bei knapp 200 Sachen für's Erste in einer schicken blauen Qualmwolke...
                                           
Mit viel Glück hatte er die RD von i-wo bei Potsdam bis zurück nach Tempelhof bekommen.
Wie weiß ich nicht. Gefahren ist er jedenfalls nicht mehr.

Einen Kolbendom hatte es angeschossen und noch ein paar andere Teile zerlegt (Ringe z.B.), was aber nach ein paar Tagen in der Werkstatt behoben war. Und dann hieß es wieder "Aufsitzen".

Bis zu dem Abend, als der liebe David einen unstillbaren Appetit auf die Pommes von "Curry by 445" * am Mariendorfer Damm verspürte.
Von Alt-Mariendorf aus, war das eine Strecke, die in ein paar Minuten zurückgelegt war.
Was dann aber in den David gefahren ist, weiß keiner.

Denn auf dem Rückweg nach Hause, saßen an einer Ampel die gerade grün geworden war, zwei Männer in Uniformen der Berliner Polizei in einem grün-weißen VW-Bus mit blauem Käppi auf dem Dach.
Die staunten nicht schlecht, als sich vor ihrer Wanne die gelbe RD über die Kreuzung beamte.
Pflichtbewusst hängten sie sich an David und hielten ihm an der Trabrennbahn den
Lolli vor's Visier.

Dem Wunsch der Beamten, ihnen Führerschein und Fahrzeugschein auszuhändigen, konnte David leider nur zur Hälfte nachkommen...
Nett wie die Freunde und Helfer waren, boten sie David an, ihn nach Hause zu begleiten, um dort den Führerschein zu begutachten.
Dieses Angebot musste David dann aus nahe liegenden Gründen ausschlagen...
Also wurde ein
Rotlichtvergehen in Tateinheit mit Fahren ohne Fahrerlaubnis zur Anzeige gebracht.

Hätte er bei rot an der Ampel gehalten, wären die beiden Ordnungshüter vor ihm her gefahren und es hätte keinen Ärger gegeben.

Manch einer vergisst nie, manch anderer dafür fast sofort.
David zählte offenbar zur zweiten Gruppe...

Wenige Wochen später beichtete David in trauter Runde, dass er zwar die RD für einen länger dauernden Umbau in seine Wohnung im 4. Stock geschafft hatte, aber kürzlich etwas dringendes
zu erledigen hatte...
Und da er noch einen 50ccm-Roller vor der Tür stehen hatte (für den er natürlich auch keinen Führerschein hatte), warf er eben den schnell mal an.

Die geneigten Leser und Leserinnen ahnen es bereits: Genau - es gab wieder Stress mit dem Fanclub Grün-Weiß.
Vom Attilaplatz kommt man auf zwei Spuren in die Rathausstraße wo der David wohnte. Nach ein paar Metern aber beginnt der Parkstreifen. Wer also rechts fährt, muss entweder Kitt geben, oder sich einfädeln.
David war für Kitt geben und zog von rechts in die verbleibende Spur. Dazu holte er die maximalen 70 Sachen aus dem Roller mit seinem kleinen Versicherungsnummernschild.
Hinter ihm fuhr, von David unbemerkt, eine BMW K75.
Deren Fahrer hatte nicht nur einen weißen Helm, er trug auch eine von diesen grausigen grün-weißen Leder-Kombis.
Irgendwo in der Nähe der Ullsteinstraße war dann Schluss mit lustig. Die BMW überholte und David musste mal wieder anhalten.
Wieder ein netter Cop - aber auch wieder keine Fahrerlaubnis. Und die nächste Anzeige wegen Fahren ohne Fläppen.

Brav 50 fahrender Weise, hätte der Cop ihn nicht bemerkt. Aber ein Roller der höchstens 50 fahren sollte, fällt mit 70 eben schnell auf...

Nun ja, aller guten Dinge sind drei.

Es war ein Tag mit Pipi-Wetter und David war wohl nicht nach Radfahren. Um einen Kumpel zu besuchen, hatte er sich ein weiteres Mal den Roller geschnappt und war nach Marienfelde gefahren.
Clever wie der David war, hatte er die Hauptstraßen gemieden und sich durch eine Wohngegend geschlängelt.

Auf dem Weg nach Hause muss er dann vergessen haben, dass diese Wohngegend eine 30-Zone war. Und da die Polizei kein schlechtes Wetter kennt, standen auch an diesem Tag ein paar Helden im Dienst für Recht und Ordnung in einer Kurve und spielten Fangen mit Hilfe eines Lasergerätes.
Quietschvergnügt kam der David auf der Geraden auf die Kurve zu. Um sich kurz darauf darüber aufklären zu lassen, dass 50 Kmh nun doch eine eklatante Geschwindigkeitsübertretung seien. Führerschein und Fahrzeugschein bitte...

Der Spaß summierte sich am Ende auf eine Führerscheinsperre für 8 Jahre nebst einer Zahlung (in Raten vermute ich) von 10.000 DM an das Land Berlin.

So wie David fahren konnte, hätte er in jeder Fahrschule für wenig Geld seinen Führerschein machen können.

Schade eigentlich.

* gibt's leider nicht mehr