Erinnerungen an eine schräge Zeit auf zwei Rädern - Markus und die graue ZZR 600

   

So was nenne ich, ja wie nenne ich jetzt so einen Vogel im Internet? Hm?

Klappspaten - das ist das richtige Wort für eine so faule Kartoffel!

Egal. Markus R. aus Berlin Mariendorf, war seinerzeit im Besitz einer gebraucht erworbenen, grauen Kawasaki ZZR600.
Und er hatte weder die Befähigung, noch die rechtmäßig erworbene Erlaubnis, dieses Motorrad im seinerzeitigen Zustand mit 98 PS zu fahren. Das ist Fakt.

Mein Fahrlehrer, Carsten Tanneberger, legt besonderen Wert darauf, dass seine Fahrschüler auch verstehen, dass von der einwandfreien Funktion der Technik, dass eigene Leben abhängt. Er ist nun mal Biker mit Leib und Seele.

Einen solchen Fahrlehrer hatte Markus R. offenbar nicht.
Er hatte bei seiner ersten Tour mit unserem Haufen, nicht den leisesten Schimmer, dass man z.B. am Motorrad eine Antriebskette auch regelmäßig fetten muss.

So kam er denn auch im Herbst mit Jeans, normalen Turnschuhen (also nix umme Knöchel),
Jeansjacke und Helm angefahren. Gut einen Nierengurt hatte er. Aber nicht einmal ein Paar
Handschuhe. Das ist kein Motorradfahrer, sondern ein Kraftradbesitzer.
                                           
Aber gut. Wir haben uns also mit ihm auf der Spinnerbrücke hingesetzt, und versuchten ihm zu erklären, dass es einige Sachen gibt, die nicht egal sind.
 

Nach einer Weile erzählte er uns dann noch, dass er sich für den Führerschein 1A angemeldet und den auch in der Fahrschule gemacht hatte. Aber er hätte jetzt trotzdem einen "offenen" Lappen in der Tasche...

Für alle die das nicht so genau zuzuordnen wissen:
1A war damals der eingeschränkte Motorrad-Führerschein für Maschinen bis 34 PS.
Zur Einführung des Stufenführerscheins war es üblich, dass man unabhängig vom Alter die ersten zwei Jahre auf einer Maschine mit eben diesen max. 34 PS fahren durfte. Danach konnte der Führerschein umgeschrieben werden auf die alte Klasse 1, heute A.

Dummbeutel Markus hatte wohl gepennt und obwohl er seit 1999 mit über 25 Jahren, sofort einen Führerschein ohne Leistungsbegrenzung hätte machen dürfen, hat er sich für den
Stufenführerschein angemeldet. Selbst Schuld.
Nur das er "Glück" hatte und der neue Führerschein versehentlich auf Klasse 1 ausgestellt worden war.

Markus der keine Ahnung hatte und nur "so zum Spaß" den Führerschein gemacht hatte, hatte also auf einer 34 PS-Maschine seinen Lappen gemacht. Fahrpraxis hatte er gleich null aber jetzt 98 PS unter dem Arsch.

Und er machte auch gleich durch rücksichtsloses Fahren und gefährliche Faxen auf sich
aufmerksam.

Bis dann, eines schönen Tages... ich war selten in meinem Leben so schadenfroh.

Eine Ausfahrt in den Nordwesten Brandenburgs war geplant. Gut geplant und organisiert.
Jeder hatte eine Karte mit eingezeichneter Wegstrecke und ein Handy.
So trafen wir uns wie so oft, an der Tankstelle Tauernallee / Mariendorfer Damm.

Markus R. und seine "Käthe" Silke, waren wie erwartet unpassend angezogen.
Beide in Jeans und anderen leichten Klamotten und in Turnschuhen.
Immerhin hatten sie schon von Nierengurten gehört...

Bis Halensee verlief dann auch alles gut (also Halensee am Ende vom KuDamm in Berlin,
also etwa 10 Minuten)
(Zu schnell? OK, sagen wir 15 Minuten und behaupten wir hätten getrödelt ;-)  )
Von der Stadtautobahn aus wollten wir hinter dem Halenseetunnel vom Stadtring runter und am Messegelände vorbei zur Heerstraße in Richtung Spandau.
Dazu muss man an der Verbindung zur Avus unter der Autobahnbrücke am ICC hindurch, an einer dieser vielen Ampeln stehen, für die Spuren, die da zusammen- und auseinander laufen.

Ja ... es wurde grün, ich fuhr vorne weg und der Pulk setzte sich in Bewegung.
Sportlich vergnügt unterwegs war ich gleich an der nächsten Ampel und schaute dem Treiben hinter mir zu. Obwohl die 600er von Herrn R. nicht gerade ein Ausbund an wilder Leistungsentfaltung ist, so ist sie doch kein Dreirad...

Markus musste seiner Freundin unbedingt zeigen, was er für ein Held ist und zog mal richtig am Gas. Für ihn offensichtlich unerwartet, zeigte die ZZR dann ihre Muckis.
Mit einem ordentlichen Satz ging sie los und Markus R. näherte sich völlig unfähig seinem
Vordermann - Marcus Sch.

Und der konnte fahren, als wäre er auf einer Sportmaschine zur Welt gekommen.

Dann war es soweit. Nachdem M. R. die ZZR nach einem Wheelie wieder unten hatte, die aber immer noch nach vorne ging, berührte er das Hinterrad der ersten 600er Fazer FZS an der linken Seite.

Das bedeutet, dass sich die beiden Räder an der Stelle an der sich berührten, aufeinander zu bewegen. Das Hinterrad der vorderen Maschine kommt hoch, das Vorderrad der hinteren Maschine hält es fest und klettert daran hoch.
Der Effekt läuft nur schneller als eine Berührung der Bordsteinkante, endet aber genauso sicher mit einem Sturz.

Klein Marcus Sch. bekam zwar einen Schreck, behielt seine Fazer aber souverän unter Kontrolle.
Aber Herrn R. und seine Silke zerlegte es bei der Nummer. Sie machte nach hinten den Satz vom Hocker und rollte über die Straße. Er blieb an seiner Kawa hängen und drehte fröhliche Pirouetten die Straße hoch in Richtung Ampel.

Die beiden Lappen haben dabei wirklich Glück gehabt. Ein paar schmerzhafte Blessuren und etwas gealterte Klamotten waren alles.
Die Fazer hatte an einem Blinker und auch an der hinteren Bremsscheibe was abbekommen, ließ sich aber noch ohne Probleme fahren.
Die ZZR sah schon weniger schön aus. Die üblichen Schrammen in der Verkleidung, Hebel, Blinker und Spiegel, sowie der Topf auf der rechten Seite zeigten ihre Spuren her.

Bis irgendwo bei Rathenow kamen sie dann noch mit, von Silkes ständigem Gemecker untermalt.

Dann hatte sie ihn soweit, dass er umdrehte um nach Hause zu fahren.

Doch die beiden verpissten sich nicht einfach. Sie kotzten sich dann bei der Freundin von einem von uns aus und verdrehten auf's übelste die Abläufe.

Auf einmal waren wir alle unkollegial und konnten nicht vernünftig fahren!

Das war leider noch nicht das Ende.

Einige Zeit später bekamen wir alle Ladungen zu einer Verhandlung vor einem Zivilgericht.
Trotz seiner alleinigen Schuld war Herr R. tatsächlich der Meinung, er könnte sich seine Reparaturkosten von der Versicherung von Marcus Sch. zurück holen!

Doch da sich jeder von uns sehr gut erinnern konnte was tatsächlich vorgefallen war, musste sich Herr R. dann damit abfinden, dass seiner Klage nicht entsprochen wurde :-))