Zum krönenden Abschluss ihrer Karriere, setzten sich die Puhdys ein Denkmal.
Gemeinsam mit City und Karat erarbeiteten sie ein Projekt namens "Rocklegenden"

Alle drei Bands suchten sich Titel der jeweils anderen und coverten diese.
Zusätzlich schrieben sie zwei neue Stücke und nahmen weitere drei bekannte Titel
anderer Interpreten, in das Set mit auf.

Veröffentlicht wurde die CD Rocklegenden" im Vorfeld der gleichnamigen Tournee.
               
 


Aus der Idee, zusammen einen Meilenstein in der deutschen Rocklandschaft zu hinterlassen,
ist ein Projektalbum wie selten eins geworden!
 

Hier zunächst das Tracklisting

01. Sternenstunden (Puhdys feat. T. Krahl + C. Dreilich) neu komponiert, Puhdys
02. Magisches Licht (Puhdys feat. B. Römer) Original von Karat
03. Glastraum (Karat feat. D. Birr) Original von City
04. Kleiner Planet (City) Original von den Puhdys
05. Vom gleichen Schlag (Karat) neu komponiert, Karat
06. An den Ufern der Nacht (Karat feat. D. Birr) Original von den Puhdys
07. Jede Stunde (City) Original von Karat
08. Immer mehr (Puhdys) Original von Herwig Mitteregger (Spliff, Nina Hagen Band)
09. Helden (City) Original von David Bowie
10. Amerika (Puhdys) Original von City
11. Eiszeit (Karat) Original von Peter Maffay
12. Wir sind wir (City feat. D. Birr + C. Dreilich + B. Römer) neu komponiert, City
13. Medley - Über sieben Brücken / Wenn ein Mensch lebt / Am Fenster



Gleich die ersten Töne von "Stern(en)stunden", einer Neukomposition der Puhdys,
ziehen den Hörer in den Bann der CD.
Eingeleitet von einem Glockenspiel, ertönt zuerst leise im Hintergrund die Stimme von
Maschine: "Sternstunden in der Nacht". 
Dann, nach dem Einsetzen der Drums, geht das Mikro in den Vordergrund und Maschine
singt, vom Chor der Kollegen unterstützt, weiter "Sternstunden in der Nacht", bis er die
ersten Textzeilen beginnt, von Toni Krahl abgelöst wird, um die Stimme an
Claudius Dreilich weiterzugeben. Nach dem ersten Refrain ist dann Quaster an der Reihe.

Zugegeben, es ist noch einmal etwas ganz anderes, wenn man die Lieder live erlebt hat.
Das Gefühl ist ein anderes.
Doch auch ohne dieses Erlebnis im Kopfkino sorgt "Stern(en)stunden" für eine Gänsehaut.
Der Text beschreibt die ersten Stunden nach den Nachrichten am 09. November 1989.

Jeder der das miterlebt hat, muss davon berührt sein.
Der Text wird von Harmonien mitgetragen und trotzdem bleibt es ein tief
beeindruckender Rocksong reinsten Wassers!
Die unterschiedlichen Stimmen beschreiben die Gefühle von damals in der Art, wie man
sie auch von allen drei Bands erwarten würde - poetisch, als Höhenflug der Gefühle.
Alles wird glaubwürdig interpretiert, die gemeinsam gesungenen Refrains wirken wie
ein Schauglas in die Vergangenheit:

"Vom Tower kam das Signal
Frei, frei zum Start
Plötzlich konnten wir fliegen
Zum Horizont und wieder zurück
Sind über Mauern gestiegen
Und Jubelschreie warn die Musik
Sternstunden in der Nacht
in der Novembernacht"



Dann geht es weiter mit der ersten Coverversion - Die Puhdys spielen "Magisches Licht"
von Karat

 

Da es sich hier um einen meiner Lieblingstitel von Karat handelt, war ich als Fan der
Puhdys trotzdem skeptisch, wie sie das wohl umgesetzt haben.

Ich hatte nicht erwartet, dass hier die Originale einfach nachgespielt würden, sondern
auch das Arrangement neu gestaltet würde.
Und das ist den Puhdys hervorragend gelungen. Maschine beginnt mit einfühlsamer
Stimme zum Keyboard von Peter Meyer und wird dann von Klaviertönen begleitet.
Auch als das Schlagzeug einsetzt, ist das Original noch gut zu erkennen.
Die Akustikgitarre wirkt dann als neues Element wie die Weggabelung zwischen Original
und Cover.
Klaus dominiert mit den treibenden Drums, und das Spiel mit dem forte (nicht ganz so
intensiv wie beim Albatros) machen dann aus dem alt bekannten Titel ein ganz neues
Stück! Doch es kann sich sehr wohl mit dem Original messen.

Bereits hier ist klar, das alle 15 Mann viel Arbeit investiert haben und die Lust auf das
nächste Stück ist bereits groß.

Dann kommt die Karat-Fassung vom "Glastraum" von City, der einmal mehr das
Gefangensein in der DDR behandelte.

Claudius Dreilich, ebenbürtiger Nachfolger seines Vaters am Mikrofon bei Karat, geht mit
einem ausgeprägten Gefühl für die Melancholie der Textzeilen daran, es neu umzusetzen. 
Auch der musikalische Teil ist in der Neufassung voller geworden, Akzente und Feinheiten
lassen sich bei 40 Jahren Karat kaum vermeiden ;-)


Also nach drei mal + für den Kauf der CD stieg die Neugier nur noch weiter...


Die Nummer 4 ist dann die City-Version von "Kleiner Planet", einem Puhdys-Track, der in
meiner noch immer unvollständigen Puhdys-Sammlung leider noch fehlt.
Doch ein kurzer Vergleich via amazon zeigt mir: City haben den kleinen Planeten
aufgerockt! Das Lied war ein Ballade, nun sprüht es vor Elan und Freude und verbreitet
eine sonnige Stimmung. Das nächste +


Die 5 ist eine Neukomposition von Karat.
In "Vom gleichen Schlag" erzählt Claudius in einer sehr schönen Ballade, von einer
besonderen Freundschaft. Musikalisch mit verhaltenen Rockelementen gespickt, ist die
Stimme das Hauptelement. Einmal mehr begeistern Karat mit ihrem Arrangement.
Das hier auch das Verhältnis der Bands zueinander gemeint sein könnte, lassen wir mal
nur kurz erwähnt... + # 5


Auch Titel 6 wird von Claudius gesungen, Karat spielen "An den Ufern der Nacht" von den
Puhdys.
Was bei den relativ frühen Puhdys noch klang wie ein Lagerfeuersong, ist zu einer Ballade
gereift. Schlagzeug und Klavier treiben sanft, die Akustikgitarre fliegt leicht und
beschwingt darüber und die Elektrische gibt dem Ganzen den richtigen Drive.
Eigentlich ein ++ für diesen Titel (doch das wäre "Sternstunden" und "Wir sind wir"
gegenüber nicht fair ;-) )


Dann kommt der Moment... oops, was is'n das? Doch der währt nicht lange...

Toni Krahl beginnt "Jede Stunde" von Karat und nach dem Intro geht es ab wie der
Sonderzug nach Pankow. Vom 80er Sound, der zuweilen an die NDW erinnert oder die
für Karat typischen Synthesizer Sounds ist nichts mehr geblieben.
Sanfte Gitarren eröffnen zur markanten Stimme von Krahl. Dann gehen City weit flotter
ans Werk, der Beat bewegt automatisch die Füße. Geblieben ist nur die
Mundharmonika und auch der Sonderzug ist noch zu hören... es rockt richtig ab!


Mit Titel # 8 verlassen die Rocklegenden ihren Kreis und die Puhdys nehmen sich
"Immer mehr" von Herwig Mitteregger zur Brust.
Hier haben sie das ursprüngliche Stück im Tempo weitgehend belassen wie man es kennt,
und dafür neue Akzente gesetzt. Das Lied ist "jünger" geworden, der Sound voller, satter.
Beim Hören habe ich neugierig überlegt, wie die Stimme von Maschine wohl im Duett mit
Mitteregger klingen könnte...


Und nun wird es wirklich interessant! City covern David Bowie's "Heroes" in der deutschen
Textfassung. Das Tempo ein klein Wenig runter gefahren und auch etwas anders gespielt,
kann jeder der das Original kennt, sofort erkennen was hier gespielt wird.
City haben allerdings diesen Titel früher schon mal gecovert.


Mit der Akustikgitarre starten dann die Puhdys nach "Amerika" von City.
Auch hier fehlt mir die Möglichkeit zum Vergleich mit dem Original, doch allein die Stimme
von Maschine lässt mir keine Wahl. Seine Art Spitzen zu setzen, ihr ganz eigener Klang
haben sofort meine Aufmerksamkeit.
Klar haben die Puhdys noch geilere Sachen gemacht, doch dieses Cover ist auch ein
Volltreffer. Ein richtiger Rocksong ohne Schleifchen!


Als letzte Coverversion legten Karat "Eiszeit" von Peter Maffay neu auf. Und das ist sicher
auch eine Hommage an ihn, der mit seiner Version von "Über sieben Brücken" im damaligen
Westen die Türen für Karat aufstieß. "Eiszeit" ist so überzeugend eingespielt worden, dass
man es für ein eigenes Werk von Karat halten könnte, wären da nicht die typischen
Gitarrenparts, die ihren Schöpfer verraten.


Nun könnte man meinen, .oO°was soll jetzt noch tolles kommen?°Oo.
Gute Frage. Lautstärker weiter nach rechts und die Antwort abwarten!

Wie "
Sternenstunden" und "Vom gleichen Schlag", ist auch "Wir sind wir" eine neue
Komposition, diesmal von City.
Wie auch bei den beiden anderen Titeln wird das Stück als Gemeinschaftswerk intoniert.
Toni eröffnet, Maschine singt die zweite Strophe, Claudius die Dritte.
Dabei klingt das Lied mit den verschiedenen Stimmungen nicht wie ein Flickenteppich,
es ist ebenso gewaltig wie "Sternstunden" und überzeugt sofort mit den ersten Tönen,
der ersten Textzeile. Die Message "Gleiche Wurzeln, dicke Freunde" wird wieder mit viel
Herz und Begeisterung rüber gebracht. Breaks und Wechsel der Tempi sorgen für
Abwechslung. Sowohl Nachdenklich als auch ausgelassen, alles ist drin.
Und trotzdem klingt das Stück voll, rund und satt. Ein wirklich gelungenes Finale auf einer
CD, die ich nicht wieder hergebe.


Zum Schluss kommt, nach Puhdys-Manier, noch ein Medley aus "Über sieben Brücken",
"Wenn ein Mensch lebt" und "Am Fenster". Auch hier covern sich die Bands wieder
gegenseitig.



Mein Fazit: Die "Rocklegenden" sind eine unbedingte Kaufempfehlung!
Mit persönlich gefallen zwar die "Ost-Rock-Titel" besser als die Covers von Mitteregger,
Bowie und Maffay, doch auch diese 3 kann man immer wieder hören.

Die eigenen Titel der 3 Rocklegenden sind durch die Bank Ohrwürmer geworden!

Mit "Rocklegenden" sollten sich alle 3 Bands ein für alle mal verewigt haben und die
Puhdys nie vergessen werden.

Und weil das alles noch nicht geil genug ist, hat man sich verlagseitig nun doch entschlossen,
den Fans zu geben was sie wollen.

Im Oktober 2015 kamen eine Live Doppel-CD und eine Live DVD der Rocklegenden heraus.
Aufgezeichnet und veröffentlicht wurde der Konzertmitschnitt in Chemnitz.

Nun kann man sich jederzeit dieses geile Megakonzert immer und immer wieder ansehen oder
anhören, die Erinnerung an den Abend zurück holen, an dem man etwas wirklich ganz besonderes
erleben durfte.

Auch hier ist der Kauf jeden Cent wert :-))