Geschichte hat viele Gesichter

Manche erkennt man erst, wenn man sich die Zeit nimmt und sich mit ihr beschäftigt.
Wenn man sich bewusst macht, wie sich alles um einen herum innerhalb eines Lebens verändert, ist das schon gewaltig.

Die Lebenserwartung von Technologien bis sie veraltet sind, war nie so kurz wie heute.
Man rede mit einem Menschen unter 20 Jahren über VHS- oder Audiocassetten... über Dias oder Super 8 Filme.
Diese Medien sind heute bestenfalls "Retro", die DVD ist auch schon wieder im Auslaufen begriffen.
Doch wie verändert sich die Welt sonst? Immerhin ist der Mensch seit fast 50 Jahren auf keinem anderen Himmelskörper als dem Mond gelandet. Wenn man aber bedenkt was innerhalb der letzten 100 Jahre alles passiert ist, ist das schon was ganz anderes. Und damit sind hier Veränderungen durch Entwicklungen gemeint, die nur teilweise Kriegsfolgen sind. Sehr vieles hat sich durch die ganz normale Weiterentwicklung von Technik und Handwerk, sowie durch neue wissenschaftliche Erkenntnisse ergeben. Wie schon früher in der Geschichte der Menschheit.

Aber natürlich geht es hier um Dinge die man sehen kann. Um die Architektur, stadtplanerische Gestaltung genau so, wie um Zeitzeugnisse in Form von Fotos, Dokumenten etc.

Wenn man mit offenen Augen und ein wenig entsprechendem Wissen unterwegs ist, kann man sich ein Bild von Veränderungen machen, die sich schon vor langer Zeit ergeben haben, wie eine Stadt gewachsen ist.
Nehmen wir in Berlin z.B. die Überreste der alten Stadtmauer, wie der Berliner Mauer..

Wenn man den größten Teil seines Lebens in einer Großstadt, z.B. in Berlin wohnt, dann ist die stete Veränderung der Stadt in der man lebt, völlig normal. Man nimmt sie nicht mehr wahr. Gerade von der Hauptstadt und ihrem Werden gibt es Unmengen von Fotos in Büchern und im Internet. Und es ist wirklich äußerst interessant zu sehen, wie diese Stadt früher aussah, wie sie sich entwickelt hat. Wie z.B. das heutige Hallesche Tor ohne die Hochbahn aussah, die Hausdurchfahrt am Dennewitzplatz oder die vor Stuck nur so strotzenden Häuser an den Hauptstraßen. Mit einer Liebe zum Detail gearbeitet, wie es heute niemand mehr tun würde. Berlin zu seiner Blütezeit bis kurz nach der Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jh.

Wer z.B. vom Hallschen Tor in Richtung Kottbusser Tor und weiter bis zum Schlesischen Tor läuft, muss nur einmal auf die Häuser achten. Sehr leicht zu erkennen sind hier die Narben die die Bomben in die Stadt gegraben haben.
Um den Bahnhof Kottbusser Tor herum steht fast keines der alten Häuser mehr und auch am Bahnhof Prinzenstraße sieht man den Wiederaufbau nach dem Krieg noch heute sehr deutlich, wenn man nur weiß wie es hier ursprünglich aussah oder gedanklich die "Neubaulücken" zwischen alten Häusern durch erhaltene Nachbargebäude ersetzt.

Mit einem Bildband des Sutton Verlags in der einen und der Kamera in der anderen Hand durch Berlin zu ziehen, ist für uns wirklich spannend. Fotos von heute und damals digital übereinander zu legen, ist eine von mehreren Möglichkeiten um die Unterschiede deutlich zu machen, die man sich auf der Straße kaum vorstellen kann, wenn man direkt vor den heutigen Ansichten der Stadt steht. Denn trotz des alliierten Zermürbungskrieges ist auch in Berlin noch das eine oder andere Haus in seinem ursprünglichen Zustand.

Viele der Häuser die nach dem Krieg nicht abrissreif waren, wurden, aus nahe liegenden Gründen nur mit den verfügbaren Mitteln so schnell wie möglich wieder bewohnbar gemacht. So stehen heute viele Häuser aus der Zeit um die vorletzte Jahrhundertwende schmucklos und trist in der Stadt, zu deren Bild sie heute beitragen.
Häuser, die mit ihren reichen Stuckverzierungen früher einmal das Gesicht der Stadt prägten.

Doch es ist nicht nur die Architektur die es einem ermöglicht längst vergangenen Zeiten Leben zurück zu geben.

Mit etwas Glück hat meine Frau eine Hinterlassenschaft von Fotos, Postkarten und Briefen in die Hände bekommen, die wir zeitaufwändig gesichtet haben. Darunter fanden wir auch den Briefwechsel eines Ehepaares aus dem Landkreis Haßberge aus dem 2. Weltkrieg.
Wir können nur vermuten, dass irgendwann der Hausstand der Familie bzw. der Ehefrau aufgelöst wurde und die Briefe so in die Hände des Brief(marken)sammlers kamen, dessen Hinterlassenschaft wir nun auswerten.

Einen großen zusammenhängenden Teil stellt eben dieser Briefwechsel des Soldaten aus Franken mit seiner Frau dar.
Die meisten Briefe sind von ihm an Frau und Familie gerichtet. Im Abstand von zwei, drei Tagen schrieb der Obergefreite an der Ostfront, bis Mitte Juli 1944 dann der Briefwechsel endet, nachdem vorher schon viele Schreiben den Vermerk trugen: "Zurück - neue Anschrift abwarten".
Aus der Zeit nach dem Krieg sind zwei weitere Schreiben dabei, in denen die Ehefrau nach dem Verbleib ihres Mannes forscht. In einem Antwortschreiben teilte ihr ein Seelsorger den Tod eines anderen Verwandten im Feld mit und legte einen Ausschnitt aus einer Zeitung bei.

So besteht die Geschichte auch aus Gefühlen die einen ergreifen, wenn man z.B. diese Briefe liest.
Man stellt sich unweigerlich einen Unterstand vor, in dem die Kampfpausen für Briefe in die Heimat genutzt wurden.
Da es auch Tabus für die private Kommunikation gab, durften die Frauen ihren Männern an der Front eigentlich nicht schreiben, dass inzwischen regelmäßig Bombenangriffe auf die Heimat geflogen wurden. Die Männer konnten ihrerseits nichts von dem berichten was sie erlebten, ohne damit rechnen zu müssen, dass zumindest die Briefe abgefangen wurden. Die Frauen wussten oft nicht wo ihre Männer, Söhne und Brüder kämpften und fielen.
Und ich denke, dass das nachrichtentechnisch in jeder Armee so gehandhabt wurde (und wird), egal wo auf der Welt.

Diese Zeitzeugnisse veröffentlichen wir hier anonymisiert mit anderen aus unserer bisherigen Sammlung.
Natürlich merken wir hier gerne an, dass die Urheberrechte und sonstigen weiteren Rechte bei den Schöpfern der jeweiligen Werke liegen, die hier im Bereich Geschichte den Besucher erfreuen; weshalb wir auf eigene Logos oder Wasserzeichen verzichtet haben.
Wo Namen der Künstler verfügbar waren, sind diese angegeben.

Hier eine kleine Link-Übersicht, die im Laufe der Zeit noch in ihren Inhalten wachsen wird.

Fotos Postkarten Briefe Prospekte Karten / Pläne
 Alt-Berlin  aus der DDR  von 1919  Leipzig 1940  Berlin 1710
 Alte Fotos  nach 1945  die Ungewissheit    
   Berlin nach 1945  Die Gewissheit    
         
                     
Alte Dokumente Sammlungen      
 Stromrechnung  Ostalgie      
 Arbeitslosenkarte  Alt-Berlin      
 Personalausweis  Olympia 1932      
 Stempel 1891  Olympia 1936      
 Eintrittskarte        
 Einschreiben        
 Post-Beleg        
 Postanweisung        
 Kleiderkarten        
         


 

V 1.2.2, 02.07.2016